NEUIGKEITEN 2026!
Die medizinisch politische Situation in Brasilien erfordert Änderungen unserer Hilfseinsätze:
Die von Oktober bis Dezember 2025 durchgeführte Behandlungs-Periode, die von Gerd Pfeffer für den gesamten Zeitraum in Barra de Serenhaem in Absprache mit dem Bürgermeister geplant und festgelegt worden war, musste nach dem ersten Einsatz-Team aus mehreren Gründen unverhofft abgebrochen werden. Zum einen brachte die Leiterin des örtlichen Gesundheitsamts Einwände zur gewählten Lokalität des Behandlungsortes vor, über die sich Bürgermeister- und Gesundheitsamt vorab offenbar nicht ausgetauscht hatten. Zum anderen – und das ist ein relevanter Punkt für alle zukünftigen Tätigkeiten der AZB plus e.V. in Brasilien – sind aus rechtlichen Gründen für einen in Bahia ansässigen Zahnarzt mit Praxiszulassung Behandlungen in einer mobilen Zahnarzteinheit nur dann möglich, wenn er auch selbst anwesend ist.Die neuen Bestimmungen erfordern außerdem eine separate Zulassung für eine mobile Behandlungs-Einheit, die wir durch die Bundeszahnärztekammer erhalten haben, aber die Genehmigung der Gesundheitsbehörde für die Hygienevorschriften steht noch aus.
Bei der aktuellen Prüfung in Barra de Serenhaem wurde beispielsweise beanstandet, dass die behandelnden Zahnärzte im Dentomobil weder Hygienehauben noch Sicherheitsschuhwerk trugen, die inzwischen vorgeschrieben sind.
Missachtungen und strenge Prüfungen bringen Gerd Pfeffer zunehmend in eine schwierige Situation, da er als Zahnarzt mit seiner Praxiszulassung in Vilas do Atlántico auch der technisch Verantwortliche („Responsavel Tecnico“) für das Dentomobil und die AZB plus ist und „auf dem Radar“ der Gesundheitsbehörden steht.
In der aktuellen Situation konnte er den Gesundheitsbeamten, die am 05.November 2025 in seiner Praxis auftauchten, den Nachweis erbringen, dass er Vorstandsvorsitzender einer brasilianischen Hilfsorganisation ist, dem „Instituto Teuto-Brasileiro para Saúde Social“ (ITBSS). Dieses Institut hatten Gerd Pfeffer und Utz Wagner in Anlehnung an die AZB plus bereits im Jahr 2007 gegründet, um auch in Brasilien eine juristisch fundierte Institution zu haben.
Zum Zeitpunkt der Prüfung durch die Bundesbeamten in der Praxis in Vilas, konnte Gerd nachweisen, dass ein weiteres Vorstandmitglied des ITBSS, Frau Dr. Vania Regina Pfeffer, als in Bahia zugelassene Zahnärztin im ca. 300 km entfernten Dentomobil verantwortlich tätig war – damit waren die Einwände der Beamten des „Conselho Federal de Odontologia“ (CFO) gegenstandslos.
Ideen für die Zukunft der AZB plus e.V.:
Unser Vorgehen, wie wir es die letzten 34 Jahre praktiziert haben, ist nicht mehr zeitgemäß. Der Verein muss sich an die aktuellen brasilianischen Bestimmungen anpassen. Nun steht die AZB plus e.V. in jedem Fall an einem Scheideweg. Bereits 2023 kamen im Vorstand und unter den Mitgliedern erste Zweifel auf, wie es mit unserem Projekt weitergeht, weil viele aktive Mitglieder aus Altersgründen nicht mehr reisen und behandeln können, einige treue Mitstreiter bereits verstorben sind und junge Zahnärzte-Teams immer weniger Engagement für unsere Sache zeigen. Auch für Gerd Pfeffer wurde es aus oben genannten Gründen schwieriger, Einsatzorte zu finden, an denen unsere Unterstützung willkommen und eine Behandlung im Dentomobil ohne große Komplikationen durchführbar ist.
Des Weiteren ist die künftige Finanzierung der Einsätze der AZB plus nicht mehr sichergestellt, da aus der Altgoldsammelaktion aus bekannten Gründen zukünftig kaum mehr Goldspenden zu erwarten sind.
Gerd Pfeffer sieht aber aktuell eine gemeinsame Perspektive für unseren Verein und das ITBSS, die aus der langjährigen, karitative Tätigkeit der AZB plus, hergeleitet werden könnte:
Für etablierte und nachweislich funktionierende Hilfsprojekte und NGO’S wie unsere AZB plus, gibt es in Brasilien die Möglichkeit einer finanziellen Förderung aus öffentlichen und privaten Geldern. Um in den Genuss dieser Förderungen zu kommen, muss das Projekt das Kriterium „dem Gemeinwohl dienend“ (ähnlich der Mildtätigkeit in Deutschland) erfüllen. Diese Anerkennung ermöglicht privaten Firmen, ihre Steuergelder bis zu einer bestimmten Obergrenze dem zu fördernden Sozialprojekt zufließen zu lassen. Auch kann sich ein „anerkanntes“ Sozialprojekt dann über ein spezielles Antragsverfahren für öffentliche Gelder bewerben.
Gerd Pfeffer steht in Kontakt mit dem Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes, der seine Unterstützung zugesagt hat, dass das ITBSS den Status des „Gemeinwohls“ erhält. Es gibt außerdem direkte Verbindungen zum Gesundheitsministerium in Brasilia, wo sich einige einflussreiche Personen an einen Vortrag von Gerd aus dem Jahr 1994 erinnern, in dem er mit Statistiken aus unserem damals jungen AZB-Projekt über Entlastungsmöglichkeiten des SUS-Systems referiert hat (SUS = Sistema unica de Saúde = Allgemeines Gesundheitswesen). Dieser Vortrag ist dort protokolliert worden und man ist aktuell an Gerd herangetreten, seine Einschätzung abzugeben zu einem landesübergreifenden staatlichen Vorhaben, zahnärztliche Behandlungen in schwach besiedelten Regionen Brasiliens zukünftig über mobile Einsatz-Teams zu organisieren.
Gerd Pfeffer sieht in einem solchen Vorhaben eine logische Fortsetzung seines bisherigen sozialen Engagements in Brasilien und würde das Projekt mit angestellten Zahnärzten organisieren, geknüpft an die Möglichkeit zur Ausbildung für zahnmedizinische Helferinnen, um besonders Frauen aus sozial schwachen Familien in abgelegenen Regionen die Chance auf eine Berufsausbildung zu geben. Erste Gespräche und ein festes Konzept sind noch in der Anfangsphase, aber auch Vania Pfeffer sieht über zahlreiche persönliche Kontakte die Möglichkeit, das Projekt anzukurbeln. Sie erstellt mit Hilfe einer Grafikerin derzeit ein Portfolio der Tätigkeiten der AZB plus e.V. seit 1991, welches als Nachweis und Basis dienen wird für alle weiteren Schritte – eine Vorstellung in Brasilia, als auch Bewerbung bei privaten Finanzgebern.
Insofern werden die langen Erfahrungswerte der AZB plus e.V. und die entsprechenden statistischen Aufbereitungen den neuen Unternehmungen des ITBSS dienen, wenn es zu einer solchen Ausweitung der mobilen Einsätze kommen sollte. Bei Gründung des ITBSS im Jahr 2007 gab es 23 Gründungsmitglieder und es waren sowohl Gerd Pfeffer (1.Vorsitzender) als auch Dirceu (2.Vorsitzender) und Utz Wagner mit anderen brasilianischen Freunden von Gerd als Vorstände eingetragen. Aus vereinsrechtlichen Gründen müssen alle Vorstandsmitglieder des ITBSS zurzeit einen festen Wohnsitz in Brasilien nachweisen können. Die Satzung des ITBSS entspricht in allen wesentlichen Punkten der Satzung der AZB plus. Das Institut ist ermächtigt – im Gegensatz zur AZB plus – Fördermittel aus öffentlicher und privater Hand anzunehmen und satzungsgemäß zu verwenden. Auch kann das ITBSS im Rahmen der Satzung Angestellte führen und aus den Fördermitteln entlohnen.
Der Vorstand der AZB plus sieht keinerlei Hindernisse, die oben genannten Schritte in die Wege zu leiten, da sie im Einklang mit unserer Vereins-Satzung stehen und unser Engagement in Brasilien auf sinnvolle Weise weiterführen können.





