Familiärer Hilfseinsatz mit Abenteuerfeeling

Mit dem Dentomobil über den Sandstrand nach Barra de Serinhaém – ein ganz besonderer Einsatz!

Humanitäre zahnärztliche Einsätze sind für mich jedes Mal eine besondere Erfahrung. Mein jüngster Aufenthalt Ende Oktober 2025 in Brasilien war jedoch in vielerlei Hinsicht einzigartig, denn diesmal reiste ich gemeinsam mit meinem Vater und meiner Schwester an, die beide ebenfalls Zahnärzte sind. Besonders war dieser Einsatz auch deshalb, weil wir mittlerweile alle gemeinsam in der kieferorthopädischen Praxis meines Vaters tätig sind. Während ich vor Kurzem meine Weiterbildung zur Fachzahnärztin für Kieferorthopädie abgeschlossen habe, arbeitet meine Schwester als Zahnärztin in der Praxis und absolviert derzeit berufsbegleitend einen Masterstudiengang im Bereich Kieferorthopädie. Für unseren gemeinsamen Einsatz wurde die Praxis für zwei Wochen geschlossen. Diese bewusste Entscheidung zeigt, welchen hohen Stellenwert dieses Engagement für uns hat. So wurde aus dem Hilfseinsatz nicht nur ein gemeinsames berufliches Projekt, sondern zugleich ein Familienausflug der ganz anderen Art.

Für mich war es bereits der dritte Einsatz in dieser Region. Meine Schwester nahm zum zweiten Mal teil, während mein Vater schon auf zahlreiche und langjährige Einsätze in der zahnärztlichen Entwicklungszusammenarbeit zurückblicken kann. Bereits im Jahr 2008 war er mit der Organisation AZB plus e.V. in Brasilien unterwegs. Gemeinsam in Brasilien tätig zu sein, bedeutete für uns nicht nur, Patienten zu behandeln, sondern auch, Erfahrungen auszutauschen, Land und Leute kennen zu lernen und als Familie eine intensive Zeit zu erleben.

Unsere Einsatz begann in Salvador de Bahia. Von dort aus machten wir uns mit dem Dentomobil, das Dr. Gerd Pfeffer lange und mit viel Herzblut saniert hat, auf den Weg nach Barra de Serinhaém. Die Anfahrt dorthin ist alles andere als gewöhnlich: Der kleine Küstenort, ca. 200 km südlich von Salvador entfernt, ist ausschließlich über einen schmalen Strand erreichbar, alternativ nur mit kleinen Booten. Die Fahrt über den Sand war aufregend und teilweise auch heikel. Immer wieder mussten wir den richtigen Zeitpunkt zwischen Ebbe und Flut abpassen, Spurrillen ausweichen und darauf achten, dass das Fahrzeug nicht im weichen Untergrund einsinkt. Gleichzeitig bot sich uns eine beeindruckende Landschaft mit endlosen Stränden, Palmen und dem Rauschen des Atlantiks.

Nach unserer Ankunft baute Dr. Gerd Pfeffer das Dentomobil auf dem zentralen Platz des Ortes, der „Praça Camarão“, auf. Untergebracht wurden wir im Haus des Bürgermeisters, dass ein Zeichen der großen Gastfreundschaft und Wertschätzung gegenüber dem Projekt zeigt. Für uns war es besonders schön, einzelne bekannte Gesichter wiederzusehen. Bereits vor einigen Jahren hatten wir hier als Team mit Tatiane, einer brasilianischen zahnmedizinischen Fachangestellten gearbeitet.

In den folgenden Tagen behandelten wir zahlreiche Patientinnen und Patienten. Das Spektrum reichte von Füllungstherapien bei kariösen Defekten über Zahnextraktionen bis hin zu kleineren parodontalen Behandlungen. Neben der akuten Versorgung lag uns auch die Aufklärung am Herzen. In Gesprächen erklärten wir die Bedeutung regelmäßiger Mundhygiene und gaben praktische Tipps für den Alltag.

Dieser Einsatz hat mir erneut gezeigt, wie groß der Bedarf an zahnmedizinischer Versorgung in abgelegenen Regionen ist. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie wertvoll es ist, solche Erfahrungen mit anderen teilen zu können. Gemeinsam zu arbeiten, Herausforderungen zu meistern und zu sehen, wie dankbar die Menschen für unsere Hilfe sind, macht diese Einsätze für mich unvergesslich.

Der AZB plus, ihren engagierten Verantwortlichen und dem gesamten Organisationsteam bin ich sehr dankbar, Teil dieses Projektes gewesen zu sein und diese wertvolle Erfahrung machen zu dürfen.

Gleichzeitig bin ich sicher, dass es nicht mein letzter Einsatz war.

Dr. Aline Moser